Mittwoch, 26. Juli 2017

Am 29.11.2013 wurde in der Onkel-Bräsig-Straße vor dem Haus Nr. 111 ein Stolperstein für den Widerstandskämpfer Hans Georg Vötter verlegt. Der 8. Jahrgang unserer Schule hat dafür das Geld gesammelt sowie in den einzelnen Klassen über den 9. November 1938, den Widerstand gegen die Nationalsozialisten und das Gedenken an sie durch Stolpersteine gesprochen.

um uns zu verneigen
um uns zu erinnern
um nachzudenken

"Hans Georg Vötter wurde 1901 in einer kinderreichen Familie geboren und lernte in Leipzig den Beruf des Schriftsetzers. Bis 1921 arbeitete er in mehreren Betrieben in Leipzig. Von 1934 bis 1940 lebte er in der Talberger Straße, dann in der Onkel-Bräsig-Straße in Berlin. Hier traf er sich donnerstags mit Widerstandskämpfern zu Schulungen, politischen Diskussionen oder zum Hören des englischen und russischen Auslandsfunks. Er wurde in dieser Gruppe zum Organisationsleiter. Es entstanden Kampfschriften mit Titel wie "Der Ausweg" oder "Der Weg zum Sieg. Informationsdienst der KPD". Diese wurden per Post an Soldaten im Kriegsdienst geschickt oder über einen der illegalen Arbeitskreise verteilt. Als Herr Vötter 1943 zum zweiten Mal von den Nazis festgenommen wurde, verurteilte man ihn zur Todesstrafe. Seine Frau Charlotte erhielt 7 Jahre Gefängnis. Seine Tochter Gisela verfasste einen Bittbrief an die führende Macht in Deutschland um diese Strafe zu verhindern, aber die Nazis blieben unerbittlich. Mit gefesselten Händen wurde Hans Georg Vötter durch das Fallbeil ermordet.
Soll er in Ruhe und mit gutem Gewissen ruhen. Wir werden uns an ihn bei jedem Kommen und Gehen in die Schule erinnern."

(Rede zur Verlegung des Stolpersteins aus der Klasse 8.5)

Die Klasse 8.2 würde ihn fragen:

  • Hat Ihnen das Leben in der Onkel-Bräsig-Straße 111 gefallen?
  • Hatten Sie Hoffnung auf Gnade?
  • Würden Sie im Nachhinein etwas anders machen?
  • Hatten Sie Angst vor dem Tod?
  • Finden Sie gut, dass wir Ihnen einen Stolperstein widmen?

Für alle heute lebenden Menschen hat Laura einen Schutzengel gezeichnet. Wir haben ihm Blumen auf den Stein gelegt, damit auch andere Menschen sofort sehen, dass hier etwas besonders ist. Besonders beeindruckt waren wir alle vom Künstler, Herrn Demnig, der nichts weiter tat als den Stein professionell zu verlegen, nicht er stand im Mittelpunkt, sondern der durch den Stein geehrte Mensch.

Zuletzt sind wir zum zweiten verlegten Stolperstein für Stanislav Kubicki in der Onkel-Bräsig-Straße 44 gegangen. Wir hatten das große Glück, dass sein heute 86 Jahre alter Sohn aus dem Haus kam, in dem er fast sein ganzes Leben verbrachte und uns etwas über seinen Vater erzählte. Herr Kubicki, dessen Vater starb als er 16 Jahre alt war, ist bereit, uns als Zeitzeuge zur Verfügung zustehen, wenn im kommenden Frühjahr die Bilder seines Vaters in der Hufeisensiedlung gezeigt werden.

Die Spur der Familie Vötter hat sich verloren. Wir wissen nicht, ob Gisela, seine Tochter, noch lebt. Sie wäre heute ebenfalls 86 Jahre alt.