Dienstag, 28. Februar 2017

Fachbereich Kunst Fritz-Karsen-Schule BerlinSchülerkunstaktion "Fliegen - Tempelhofer Kunstflugfeld" am 10.09.2010

In der Woche vom 6.9. - 10.9.2010 nahmen Schüler des 10. und 11.Jahrgangs an einem Bildhauerworkshop auf dem Tempelhofer Feld teil. Insgesamt arbeiteten dort 70 Schüler aus 3 Berliner Schulen - der Fritz-Karsen-Schule, die Carl-Zeiss-Oberschule und Kreuzberger Leibniz-Schule und die Künstler Hans Kempel, Lena Schorno, Sima Menzel, Christoph Gramberg und Lucas Fritzsch gemeinsam mit den Kunstlehrern.

Gemeinam beschäftigten sie sich mit dem Thema "Fliegen" und bauten dazu Kunstobjekte aus 50 bis zu acht Meter hohen Baumstämmen und anderen Materialien. Unterstützt wurde diese Aktion von "Grün macht Schule", der Senatsverwaltung, dem Freilandlabor Britz und den Berliner Forsten, die die Baustämme gespendet hatten. Es entstanden Großskulpturen, die als erste künstlerische Aktion auf diesem historischen Gelände den Ort neu definieren. Durch die Größe der Objekte, die aus acht Meter langen Baumstämmen bestanden, bedurfte es nicht nur kreativer Einfälle, sondern auch logistischer Überlegungen, wie schwere Objekte gemeinsam zu bewegen und konstruktiv zusammen zufügen sind. Das erforderte Teamarbeit und praktische Intelligenz von den Gruppen. Das Interesse des Publikums war groß, wie wurden von vielen Passanten und von Reportern zu dem Projekt befragt. Nach der Einweihungsfeier und Vernissage am 15. September 2010 können die Skulpturen nun besichtigt werden.

Mehr Bilder gibt es in unserer Fotogalerie zu sehen: Zur Galerie...
[Die Fotos 1 bis 6 wurden von Georg Coenen aufgenommen, die restlichen Aufnahmen sind von John Qualls.]

Die Konzepte der Künstler

Hans Kempel [http://www.kekuko.net/]

Flug - Dinge - Auf einem Flugfeld, auf dem keine Flugzeuge mehr starten, können aber durchaus < Flug - Dinge > stattfinden, die uns Einblicke in die Welt der Fantasie von Schülern einer 11. Klasse der Fritz-Karsen-Schule geben können. Flug - Dinge, das sind fantastische Flugobjekte aus dünnen Baumstangen (Durchm. 20-30 cm), die auf dem freien Feld bis zu einer Höhe von 7/8 Metern als Rechtecke oder Dreiecke vertikal zusammen gestellt und durch Seile mit horizontal gesetzten Baumstämmen von bis zu 6 Metern Länge zu Fluggeräten verbunden sind. Die quer gestellten Baumstangen sind bis zu 2 Meter breit angeordnet und mit naturfarbenem Sackleinen bespannt. So entstehen Flügelflächen, die uns glauben machen, das diese skurrilen Flug - Dinger vielleicht doch fliegen könnten. [...] Jetzt aber beginnen wir wieder von vorn, Wiesen blühen für den Lerchenflug, wir legen Gärten an und lassen Blumen wachsen und - vielleicht erinnern uns die Flug - Dinger an den Ursprung der Fantasie vom Fliegen - wie alles einmal angefangen hat.
[Quelle: http://www.gruen-macht-schule.de/kunst/2010/tempelhofer-feld/hk.html]

Christoph Gramberg [http://www.nepomuk-holz.de/]

Flugspiele der Saatkrähen - Die Tempelhofer Saatkrähe hat eine Länge von 1,20 - 1,50m und ist damit ca. 3mal so groß wie die gemeine Saatkrähe. Sie erreicht eine Flughöhe von 3 - 5m. Das Gefieder glänzt schwarz.In einem markierten Areal führen die Tempelhofer Saatkrähen ihren Balzflug über der Brutkolonie aus. Die Pfosten und die Krähenrohlinge werden mit der Kettensäge vorgeschnitten. Anhand eines Modells kann die Konstellation der Vögel zueinander mit den Schülern geklärt werden. An 3 Tagen arbeiten die Schüler mit den Werkzeugen des Holzbildhauers an den Krähen. Im Anschluß werden die Skulpturen geschwärzt (z.B. gebrannt), das Areal wird abgesteckt und markiert (z.B. durch ein kleinen "Graben" oder ähnliches). Am 5. Tag werden die Krähen-Skulpturen gemeinsam aufgestellt.
[Quelle: http://www.gruen-macht-schule.de/kunst/2010/tempelhofer-feld/Flugspiele%2003-1.pdf]

Ein Video, das im Rahmen des Kunstprojektes entstand: Wasteland...

Ein kleiner Ausflug in die Geschichte

Mehr noch als die räumliche Weite bietet die ebenso bemerkenswerte wie wechselhafte Geschichte des Tempelhofer Feldes eine beeindruckende Kulisse für das Projekt. Deshalb ist an dieser Stelle ein historischer Exkurs angebracht, um die zeitgeschichtliche Dimension zu beleuchten, in der sich das Projekt "Tempelhofer Kunstflugfeld" bewegt.

Bis dahin nur als Acker- und Weideland verwendet, wurden große Teile des Feldes ab 1722 unter Friedrich Wilhelm I. als Exerzier- und Paradeplatz und als Mänovergelände genutzt, 1828 wurde das Areal vom Militär aufgekauft. Auf dem westlichen Teil befand sich eine Pferderennbahn, die aber 1841 der Anhalter Bahn weichen musste, die bis zum Anhalter Bahnhof parallel zur heutigen S-Bahnlinie 25 verlief. Ein großer Teil des Areals wurde von der Berliner Bevölkerung für Freizeit, Sport und Erholung genutzt, es gab den Badesee Schlangenpfuhl und der erste Berliner Fußballverein, der putzigerweise BFC Frankfurt 1885 hieß, trug dort ebenso seine Heimspiele aus wie der älteste, noch existierende Fußballverein Deutschlands, der BFC Germania 1888.

Ab 1885 wurde auf dem Tempelhofer Feld Luftfahrtgeschichte geschrieben. Im Mai 1886 wurde die "Luftschiffer-Abtheilung" hier stationiert und im selben Jahr machte Leutnant Hugo vom Hagen vom Korb des Ballons "Barbara" aus die ältesten bekannten deutschen Luftbildaufnahmen. Hier führten Erfinder dem preußischen Militär ihre mitunter eher grotesken denn flugtauglichen Fluggeräte vor, hier fand am 3. November 1897 der weltweit erste Flug eines Starrluftschiffes statt, das allerdings noch während des Fluges zerstört wurde - Ferdinand Graf von Zeppelin fertigte aus Teilen der Überreste dieses Luftschiffes sein LZ-1. Gute zehn Jahre später fanden die ersten Motorflüge auf dem Tempelhofer Feld statt, im September 1909 führte Orville Wright dort Schauflüge durch, mit denen er unter anderem einen Höhenweltrekord (172 Meter) aufstellte und erstmals einen mehr als einstündigen Passagierflug absolvierte. Im Oktober führte der französische Flugpionier Hubert Latham in einer Antoinette VII den ersten Streckenflug über einer Stadt vom Tempelhofer Feld über Rixdorf und Britz zum Flugplatz Johannisthal durch - dieser damals sensationelle Flug brachte Latham eine Geldstrafe in Höhe von 150 Mark wegen "groben Unfugs" ein.

1908 kaufte die Gemeinde Tempelhof das Gelände für 72 Mio. Mark vom Militär zurück und gab den westlich des Tempelhofer Damms gelegenen Teil zur Bebauung frei. 1922 wurde am nord-östlichen Rand des Tempelhofer Felds ein Stück Land planiert - damit begann die Geschichte des Flughafens Tempelhof und schon 1923 wurden 100 Starts und Landungen verzeichnet. Am 19. Mai 1924 wurde die bis heute bestehende Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH gegründet, bis 1928 wurde die erste Version des Flughafens erbaut, die sich aber schon bald als zu klein erwies. 1934 wurde der Architekt Ernst Sagebiel mit der Planung einer Erweiterung beauftragt. Sagebiel prägte lange vor Albert Speer die Architektur des Nationalsozialismus und gilt als einer der wichtigsten Architekten des sogenannten "Drittes Reiches". Von 1936 bis 1941 entstand das neue Flug­hafen­gebäude.

1939 verfügte Hermann Göring als Reichsminister der Luftfahrt, die Produktion der Weser-Flugzeugbau nach Tempelhof zu verlagern und aus der Baustelle "Neuer Flughafen" wurde eine der weltweit größten Montagehallen für Luftbomber - dort wurde auch die Junkers Ju 87, der berüchtigte Sturzkampfbomber "Stuka", von tschechischen Zwangsarbeitern montiert. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges kamen Menschen aus nahezu allen anderen besetzten Ländern Europas dazu und ab 1941 wurden Millionen Menschen aus Osteuropa, vor allem der Sowjetunion, als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt. So waren der offiziellen Statistik zufolge im Sommer 1944 1,9 Millionen Kriegsgefangene und 5,7 Millionen Zivilisten aus dem Ausland in Deutschland als Zwangsarbeiter beschäftigt gemeldet. Rechnet man die aus den Konzentrationslagern eingesetzten Arbeiter hinzu, muss man von ca. 12 Millionen Menschen ausgehen, die im Deutschen Reich Zwangsdienste verrichten mussten. Auch in den Montagehallen auf den Gelände des Flughafens Tempelhof wurden Zwangsarbeiter eingesetzt, sie waren in verschiedenen Lagern entlang der Columbiastraße, dem heutigen Columbiadamm, untergebracht: Gemeinschaftslager "Weserflug", Gemein­schafts­lager "Lilienthal" der Deutschen Lufthansa, Gemeinschaftslager "Richthofen".

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Flugbetrieb im August 1945 wieder aufgenommen. Ab 1947 wurde Tempelhof ein amerikanischer Militärstützpunkt, der überwiegend von der U.S. Air Force genutzt wurde und den Namen "Tempelhof Air Base" erhielt. Eine ganz besondere Bedeutung bekam der Flughafen 1948. Während der vom 26. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 andauernden Blockade West-Berlins durch die Sowjetunion diente die Tempelhof Air Base dem Transport von Verpflegung und Gütern für Berlin per Flugzeug. In Tempelhof starteten und landeten die Flugzeuge zeitweise im Abstand von 90 Sekunden, insgesamt beförderten die U.S. Air Force und die Royal Air Force in 277.569 Flügen 2.325.509,6 Tonnen Fracht, davon 1.586.099,3 Tonnen Kohle.

Nach der Blockade wurde am 1. Juli 1950 dem Senat der Stadt Berlin vom amerikanischen Hohen Kommissar ein Teil der Anlagen für die zivile Nutzung freigegeben und im südlichen Teil wurde eine kleine Abfertigungsanlage mit Zugang vom Tempelhofer Damm gebaut. Schon 1954 hatte der Flughafen Tempelhof mehr als 650.000 Fluggäste und so wurden 1959 von der US-Air Force weitere Bereiche für die zivile Nutzung freigegeben. Bis zur Übergabe am 2. Juli 1962 konnten das große Abfertigungsgebäude, die Eingangshalle, den Vorplatz und das Bürogebäude wieder hergerichtet und fertiggestellt werden. Da der Flughafen Tempelhof jedoch ständig ans seine Kapazitätsgrenzen stieß, wurde er 1975 durch den neu errichteten Flughafen Tegel ersetzt und geschlossen. 1985 wurde er für den Geschäftsreiseverkehr und für Fluggesellschaften mit kleinerem Flugmaterial wieder geöffnet und bis zur nunmehr endgültigen Schließung 2008 betrieben. Die letzten offiziellen Starts fanden am 30. Oktober 2008 statt.

Links
Tempelhofer Kunstflugfeld @Youtube
Tempelhofer Kunstflugfeld @Grün macht Schule #1
Tempelhofer Kunstflugfeld @Grün macht Schule #2
Tempelhofer Feld @Wikipedia
Flughafen Berlin-Tempelhof @Wikipedia
Zwangsarbeit auf dem Tempelhofer Flugfeld [PDF]